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70 Studien, ein Ergebnis: Was Omega-3 wirklich mit dem Blutdruck macht — und ab welcher Menge offiziell überhaupt etwas gesagt werden darf

„Ihr Blutdruck ist grenzwertig, wir beobachten das erst mal." Diesen Satz hören jedes Jahr Hunderttausende. Eine Internistin mit Schwerpunkt funktionelle Medizin erklärt, was in der Zwischenzeit eigentlich passieren soll – und warum die entscheidende Zahl auf der Rückseite steht.

70 Studien, ein Ergebnis: Was Omega-3 wirklich mit dem Blutdruck macht — und ab welcher Menge offiziell überhaupt etwas gesagt werden darf

„Ihr Blutdruck ist grenzwertig. Wir beobachten das erst mal."

Diesen Satz bekommen in Deutschland jedes Jahr Hunderttausende zu hören. Er klingt beruhigend. Und er lässt eine Frage offen, die kaum jemand stellt.

Nämlich: Was genau soll sich eigentlich ändern, während beobachtet wird?

In unserer Redaktion kennt fast jeder jemanden, der mit diesem Satz nach Hause gegangen ist – und zwei Jahre später mit einer Tablette wiederkam.

Deshalb haben wir für diesen Artikel mit jemandem gesprochen, der das anders angeht: Dr. med. Annegret Lienhard, Fachärztin für Innere Medizin mit Schwerpunkt funktionelle Medizin…

Ihre erste Reaktion war eine Gegenfrage, auf die wir keine Antwort hatten:

„Wenn Beobachten die Therapie ist – wer übernimmt dann in der Zwischenzeit die Arbeit?"

Und dazu eine Hausaufgabe, die du heute noch anfangen kannst: Miss zwei Wochen lang morgens und abends, immer im Sitzen, nach fünf Minuten Ruhe. Schreib beide Zahlen auf.

Nicht einmal in der Praxis. Achtundzwanzig Mal zu Hause.

Warum das alles verändert, erklären wir gleich.

Was du in diesem Artikel erfährst

  • Warum ein einzelner Praxiswert über deinen Blutdruck fast nichts aussagt
  • Was eine Auswertung von 70 kontrollierten Studien über Omega-3 und Blutdruck ergeben hat
  • Warum die Menge über alles entscheidet – und ab welcher Schwelle offiziell etwas gesagt werden darf
  • Was eine funktionelle Medizinerin stattdessen empfiehlt
  • Welche vier Dinge über die Qualität eines Omega-3-Öls entscheiden
"Reportagefoto einer deutschen Zeitschrift, echter Moment, kein Studiolicht, nie gestellt, nie in die Kamera gelächelt,

Dr. Annegret Lienhard: „Ein Wert ist kein Blutdruck. Ein Wert ist ein Moment."

In Lienhards Praxis sitzen Woche für Woche Menschen zwischen 45 und 70, bei denen irgendwann einmal etwas Erhöhtes gemessen wurde. Viele haben seitdem nichts verändert. Einige ein Rezept in der Schublade, das sie nicht eingelöst haben.

Wir haben sie gefragt, was sie diesen Menschen als Erstes sagt.

„Ich schicke sie mit einem Messgerät nach Hause. Das dauert zwei Wochen und verändert bei den meisten alles. Weil sie zum ersten Mal ihre eigenen Zahlen sehen."

Also, hier ist der Grund:

Blutdruck ist ein Verlauf und keine Eigenschaft. Er steigt beim Aufstehen, beim Reden, beim Treppensteigen, beim Warten im Wartezimmer. Er fällt im Schlaf.

Ein einzelner Wert in der Praxis trifft diesen Verlauf an genau einer Stelle – und zwar an der unglücklichsten, die denkbar ist: nach Anfahrt, Wartezeit und mit einem Arzt im Raum.

„Und jetzt die entscheidende Frage", sagt Lienhard. „Wenn der Verlauf das Entscheidende ist – warum behandeln oder beruhigen wir dann auf Basis eines einzigen Punktes?"

Die Antwort ist unbequem: weil es schneller geht.

„Achtundzwanzig Werte aus dem eigenen Wohnzimmer sagen mehr als jede Messung bei mir", sagt Lienhard. „Und sie gehören der Patientin, nicht mir."

Was 70 kontrollierte Studien ergeben haben

Hier wird es konkret, und die Zahlen sind kleiner, als Werbung sie gern hätte – und trotzdem bemerkenswert.

Eine Auswertung von 70 randomisiert-kontrollierten Studien, veröffentlicht 2014 im American Journal of Hypertension, hat untersucht, was EPA und DHA mit dem Blutdruck machen.

Im Durchschnitt über alle Teilnehmer: etwa 1,5 mmHg weniger beim oberen und rund 1 mmHg beim unteren Wert. Das ist wenig.

Bei unbehandelten Menschen mit Bluthochdruck sah es anders aus: rund 4,5 mmHg beim oberen und etwa 3 mmHg beim unteren Wert.

„Diese Größenordnung entspricht ungefähr dem, was man von deutlich weniger Salz oder mehr Bewegung erwartet", sagt Lienhard. „Niemand würde deshalb auf Bewegung verzichten. Es ist einer von mehreren Hebeln, und keiner davon macht es allein."

Eine zweite Auswertung von 71 Studien, 2022 im Journal of the American Heart Association, hat zusätzlich die Menge untersucht. Ergebnis: Die günstigste Tagesmenge lag zwischen 2 und 3 Gramm EPA und DHA. Darunter passierte wenig, darüber kaum mehr.

"Medizinische Illustration im Stil eines Gesundheitsmagazins, digital gesetzt, saubere Linien, heller Grund, höchstens d

Und hier wird es für die meisten unangenehm

Denn jetzt kommt die Zahl, die alles einordnet.

Die offizielle, in der EU zugelassene Aussage lautet: „DHA und EPA tragen zur Aufrechterhaltung eines normalen Blutdrucks bei." Sie ist an eine Bedingung geknüpft – die positive Wirkung stellt sich bei einer täglichen Aufnahme von 3 Gramm EPA und DHA ein.

Drei Gramm. Also 3.000 Milligramm.

Und jetzt dreh einmal die Packung um, die bei dir im Schrank steht. Typische Omega-3-Produkte aus dem Supermarkt liefern 200 bis 500 Milligramm pro Tagesportion.

„Das ist der Punkt, an dem die meisten Gespräche bei mir enden", sagt Lienhard. „Die Leute haben Omega-3 genommen. Nur nie in einer Menge, in der überhaupt jemand etwas gemessen hätte."

Verrückt, oder?

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Was sich belegen lässt – und was nicht

Weil Ehrlichkeit hier mehr wert ist als eine große Zahl, sage ich es deutlich.

Die Blutdruck-Aussage gilt ab 3 Gramm täglich. Ein Öl mit 1.822 Milligramm pro Tagesportion liegt darunter. Wer diese Schwelle erreichen will, muss die Menge entsprechend anpassen – und das gehört in ein Gespräch in der Praxis, besonders bei blutverdünnenden Medikamenten.

Zugelassen und bereits ab 250 Milligramm täglich erfüllt ist dagegen: EPA und DHA tragen zu einer normalen Herzfunktion bei.

Und was ich ausdrücklich nicht sage: dass ein Öl den Blutdruck senkt, dass es Medikamente ersetzt oder dass jemand seine Tabletten absetzen soll. Nichts davon trifft zu, und nichts davon darf jemand behaupten.

„Ich halte es für ehrlicher, die Schwelle zu nennen, als sie zu verschweigen", sagt Lienhard. „Wer die Zahl kennt, kauft anders ein."

Auch dieser Sportmediziner sagt: Es hängt an der Menge

Bevor man das als Einzelmeinung abtut, lohnt ein Blick auf jemanden, der aus einer anderen Richtung zum selben Schluss kommt.

Dr. med. Hinrich Gödecke ist Sportmediziner und hat achtzehn Jahre lang Ausdauersportler betreut – Menschen, bei denen Herz und Kreislauf das Arbeitsgerät sind.

Seine zentrale Aussage: „In meinem Bereich wird Omega-3 seit Jahrzehnten eingesetzt. Aber niemand dort nimmt 300 Milligramm. Wer etwas erreichen will, arbeitet mit Gramm, nicht mit Milligramm."

Und dann sagt er einen Satz, der erklärt, warum so viele Menschen glauben, es bringe nichts:

„Die meisten testen eine Dosis, die nie getestet wurde. Und schließen daraus auf den Stoff."

Ein Teufelskreis: Eine kleine Dose kaufen. Drei Monate nehmen. Nichts messen, weil man ohnehin nicht misst. Aufhören. Und beim nächsten Mal gar nicht erst anfangen.

Schrecklich, oder?

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Was können wir also tun?

Wenn das Problem eine Frage von Verlauf und Menge ist, gibt es genau zwei Schritte – und der erste kostet nichts.

Erstens: zu Hause messen. Zwei Wochen, morgens und abends, immer gleich. Danach weißt du, worüber du überhaupt redest. Und dein Arzt auch.

Zweitens: die bekannten Hebel benutzen. Weniger Salz, mehr Bewegung, weniger Alkohol, ausreichend Schlaf. Und die Nährstoffseite, die in Mitteleuropa bei fast allen schwach ist: EPA und DHA kommen in nennenswerter Menge nur in fettem Seefisch oder in Algen vor.

Der Omega-3-Index sollte bei 8 bis 11 Prozent liegen. Die meisten Erwachsenen hier liegen deutlich darunter.

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Wie lange dauert es?

Lienhard ist hier unbequem ehrlich: Das dauert.

„Fettsäuren werden über Wochen in die Zellhüllen eingebaut, nicht über Tage. Wer nach drei Wochen misst, misst Rauschen."

  • Nach 4 Wochen: Im Protokoll ist nichts Belastbares zu erkennen. Das ist der Normalfall.
  • Nach 8 bis 12 Wochen: Der Zeitraum, in dem sich im Omega-3-Index überhaupt etwas abbilden kann.
  • Nach 3 bis 6 Monaten: Die Versorgungslage ist stabil – und das Protokoll aussagekräftig.

Der wichtigste Erfolgsfaktor ist damit banal und entscheidend: dranbleiben und mitschreiben.

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Das große Aber: Warum die meisten Omega-3-Produkte hier nichts ausrichten

Und hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Es hängt an vier Dingen – und die meisten Produkte scheitern schon am ersten.

  • Die Menge. 200 bis 500 Milligramm sind die Regel. Die Studien arbeiten mit 1.000 bis 2.000, die Blutdruck-Schwelle liegt bei 3.000. Auf der Vorderseite steht trotzdem „Omega-3".
  • Die Form. Natürliche Triglycerid-Form statt billiger Ethylester-Form. Fehlt die Angabe, ist es meist die billigere.
  • Die Frische. Omega-3 oxidiert. Der TOTOX-Wert misst das. Der empfohlene Grenzwert liegt bei 26 – viele Produkte liegen darüber.
  • Die Streckung. Bei günstigen Anbietern besteht ein erheblicher Teil des Inhalts aus Olivenöl.

Das heißt konkret: Die meisten Menschen, die Omega-3 einmal probiert und enttäuscht aufgegeben haben, hatten nie ein Produkt in der Hand, das diese vier Punkte erfüllt.

"Klares, sauberes Produktfoto im Stil eines Online-Shops: die Flasche NatuRise Marine Evergreen aus dem Referenzbild – e

Warum in dieser Kategorie so oft NatuRise Marine Evergreen genannt wird

Wer sich die vier Kriterien anschaut, versteht, warum immer wieder derselbe Name fällt.

  • 1.178 mg DHA und 644 mg EPA pro 3 ml – bis zu 2.000 mg EPA und DHA täglich, die Größenordnung der Studien
  • Natürliche Triglycerid-Form statt Ethylester
  • TOTOX-Wert unter 6 bei einem Grenzwert von 26 – laborgeprüfte Frische pro Charge
  • Rein pflanzlich aus Mikroalgen, vegan, kein Fischöl
  • Miron-Violettglas mit Pipette, 100 ml, ein Monat Vorrat
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Was Renate (58) erzählt

Renate ist Werkstattleiterin in einem Kasseler Betrieb. Bei ihm wurde vor drei Jahren zum ersten Mal „grenzwertig" gemessen.

„Ich habe zwei Wochen lang morgens und abends gemessen und alles aufgeschrieben. Allein das war eine Erkenntnis – meine Abendwerte waren durchgehend höher, davon wusste ich nichts."

„Was ich seitdem verändert habe: weniger Salz, abends eine Runde laufen, und das Öl morgens in den Saft. Mein Protokoll sieht anders aus als vor einem Jahr. Mehr sage ich dazu nicht, ich bin keine Ärztin."

Ihr Erfahrungsbericht, keine Behandlungsempfehlung – Ergebnisse können individuell abweichen.

Fazit

Blutdruck ist ein Verlauf und kein Zustand. Ein einzelner Wert aus der Praxis beschreibt einen Moment, in dem fast alles gegen eine ruhige Messung spricht.

Und Omega-3 ist bei diesem Thema einer von mehreren Hebeln und kein Wundermittel – einer, der in den Auswertungen messbar war, und zwar in einer Größenordnung, die viele Produkte gar nicht erst liefern.

Was übrig bleibt, ist der unspektakuläre Weg: zu Hause messen, die bekannten Hebel benutzen und bei der Nährstoffseite auf die Menge schauen statt auf die Vorderseite.

Und es ersetzt keine ärztliche Behandlung. Wer Medikamente nimmt, bespricht jede Änderung vorher in der Praxis – besonders bei Blutverdünnern.

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Zusammenfassung

✅ Ein Praxiswert ist ein Moment – 28 Werte aus zwei Wochen sind ein Verlauf

✅ 70 kontrollierte Studien: im Schnitt rund 1,5 zu 1 mmHg, bei unbehandeltem Bluthochdruck rund 4,5 zu 3 mmHg

✅ 71 weitere Studien: die günstigste Tagesmenge lag zwischen 2 und 3 Gramm EPA und DHA

✅ Die zugelassene Blutdruck-Aussage gilt ab 3 Gramm täglich – das ist deutlich mehr, als die meisten Produkte liefern

✅ EPA und DHA tragen zu einer normalen Herzfunktion bei (ab 250 mg täglich)

✅ Realistisch: 8 bis 12 Wochen – und in dieser Zeit mitschreiben

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